Letzte Tage
Hier nun ein „kleiner“ und letzter Reisebericht der letzten Tage an Bord in meiner Funktion als „Nurse“.
Meine Eltern waren ebenfalls dabei und genossen 10 Tage Ostseereise an Bord von AIDAsol von Warnemünde nach Warnemünde, mit Stopps bei den schönsten Ostseemetropolen.
TALLINN
Von Warnemünde machten wir nach einem Seetag in Tallinn/Estland fest. Estland selbst besteht aus vielen dichten Wäldern mit einer reichen Tierwelt. Wer also acht gibt, kann schnell mal einem Bär, Luchs, Wolf, Otter oder Elch gegenüberstehen.
Tallinn ist Estlands Hauptstadt und besitzt eine Altstadt, die die unruhigen Zeiten der Vergangenheit komplett überlebt hat. Keine modernen Lückenbüßer nehmen den Gassen und Plätzen ihre mittelalterliche Atmosphäre. Sie ist wohl tatsächlich eine der schönsten und urigsten Fußgängerzonen, die man genießen kann.
Tallinn ist seit knapp 800Jahren eine Hansestadt, was man an den vielen Gildehäusern und Werkstätten erkennen kann.
Bei schönstem Sonnenschein und urlaubsblauen Himmel, starteten wir vom Hafen aus zu Fuß Richtung Altstadt. Direkt am Hafenausgang wurden wir von einer Reihe einfacher Holzhütten und deren Besitzern empfangen, die allerhand Souvenirs verkauften. Von schönen Schals, über kitschige Magneten, Bernsteinschmuck und sogar Elchfelle, konnte man ziemlich alles erstehen und war eine Weile beschäftigt um alles zu begutachten. Sowas ist doch immer gut, wenn man noch eben ein Mitbringsel erhaschen muss.
Erster Blickfang ist die „dicke Margarethe“ aus dem 16.Jahrhundert. Früher als Kanonenturm genutzt, beherbergt sie heute das Marinemuseum, in welchem das Leben der alten Seefahrer anschaulich dargestellt wird.
Direkt neben dem Turm gelangt man durch ein altes Stadttor direkt auf eine der Hauptstraßen, die ins Zentrum führen. Hier schlugen wir nun eine Spaziergangsroute ein, die in einem Stadtführer meines Vaters beschrieben steht. Zuerst zu erwähnen sind wohl die „Zwei Schwestern“, zwei Häuser, die direkt aneinander gebaut sind. Die Legende besagt, dass sie von einem reichen Kaufmann für seine beiden schönen Töchter errichtet worden sind. Ob das wohl auch Zwillinge waren?
Unser Spaziergang führte uns zwei Straßenecken weiter zur einst höchsten Kirche des Mittelalters. Benannt wurde die Oleviste Kirik nach einem norwegischen König namens Olaf II Haraldsson, der ein Beschützer der Seefahrer war. Vor über 500 Jahren maß der Kirchturm stolze 159m, während er heute nur noch 123m hoch ist. Leider brannte die Kirche mehrmals ab und auch der Turm wurde immer wieder vom Blitz getroffen. Irgendwann wollte sich wohl keiner mehr die Mühe machen und so wurde er ein bisschen kleiner.
Reingeschaut haben wir dennoch, zumal das Wetter keinen Hinweis auf ein drohendes Gewitter gab.
Sowohl von innen als auch von außen fand ich die Kirche nicht sonderlich beeindruckend. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mich einfach gerne von pompösen und üppig eingerichteten Bauwerken beeindrucken lasse. Nur um dann festzustellen, wie verschwenderisch doch so manches Gotteshaus mit seinen Geldern umgegangen ist.
Nun habe ich mal ein Kirche gesehen, die wirklich überhaupt keinen Reichtum zur Schau stellt. Man fühlt sich eher wie in einem öffentlichen Wohnzimmer oder so ähnlich. Alles schlicht gehalten, ohne Verzierungen und an den Wänden hängt nicht der Kreuzweg Jesu, sondern Bilder von Erinnerungen gemeinnütziger Veranstaltungen. Einfach ganz anders, als man es erwarten würde oder gewöhnt ist.
Für uns ging es weiter in Richtung Rathausplatz, mit einem kurzen Kaffeestopp in einem Café, welches den Eindruck einer Wiener Kaffeehauses vermittelte.
Der Rathausplatz ist der Mittelpunkt des Altstadtlebens. Das war sicher auch schon vor mehreren hundert Jahren so. Viele kleine und größere Gässchen münden auf den Platz, auf dem mittig das Rathaus steht. Das Ende des 14.Jahrhunderts errichtete gotische Bauwerk ist damit auch das einzige Rathaus der nordischen Metropolen, welches unversehrt durch die Zeit gekommen ist. Zahlreiche Cafés und Restaurants haben ihre Tische und Stühle auf dem Platz und trotzdem wirkt er kein bisschen überladen.
Einmal quer drüber flaniert, stehen wir auch ziemlich gleich vor der nächsten Kirche, der Nikolaikirche. Hier kann man schönen Orgelkonzerten lauschen, wenn man möchte, wir haben es gelassen und uns an den Aufstieg des Domberges gewagt. Man läuft an der noch gut erhaltenen Stadtmauer entlang und muss wirklich aufpassen nicht zu stolpern, denn die Wege in Tallinn scheinen manchmal so alt wie die Stadtgeschichte zu sein. Gerade die Altstadt wird von vielen gepflasterten Straßen und Wegen durchzogen, die einen gemütlichen Spaziergang durch die Stadt für weniger gehfeste Leute schwierig machen können. Dennoch unterstreicht es das mittelalterliche Flair und wenn man sich den neumodischen Kram, wie Autos, Fotoapparate und Männer in Sandalen mit weißen Socken wegdenkt, gleicht es gar einer Zeitreise.
Doch zurück zum Domberg. Wie der Name schon sagt, war diese Anhöhe früher den Geistlichen, aber auch adligen Bürgern vorbehalten. Absoluter Mittelpunkt und Hingucker ist die Alexander Newski Kathedrale. Erbaut wurde sie 1900 als Estland noch Teil des Zarenreiches war. Sie beherbergt insgesamt 11 Glocken, denen man vor jedem Gottesdienst lauschen kann. Sehenswert soll sie auch von innen sein, doch unsere Lust Kirchen zu besichtigen hielt sich in Grenzen, denn wir wollten endlich unsere gerade erstandenen Postkarten schreiben und verschicken, bevor das Schiff wieder ruft.
Wir machten uns also wieder an den Abstieg und standen kurz darauf erneut auf dem Rathausplatz. Hier kann man auch die älteste, seit Mitte des 15.Jahrhunderts durchgehend geöffnete Apotheke Tallinns und Europas bewundern. Ich finde das wirklich immer wieder sehr beeindruckend und könnte stundenlang darüber sinieren, welche positiven Ereignisse, aber auch traurigen Erfahrungen sich in den vergangenen Jahrhunderten hier abgespielt haben müssen.
Auf unserem Weg, haben wir etwas abseits vom Rathausplatz ein kleines Café entdeckt, welches seine Tische vor einem Haus stehen hatte, welches als Marzipanmuseum bezeichnet war. Als echter Marzipan-Fan war es natürlich ein Muss, diesen Raum einmal zu betreten. Bisher kannte ich nur Lübeck als absolute Marzipan-Hochburg, doch hier sollten wir eines Besseren belehrt werden. Das Museum selbst ist eigentlich mehr eine Werkstatt, in der man den Frauen zugucken kann, wie sie Marzipanfiguren mit Lebensmittelfarbe bemalen. Eine Information, die dort auslag, klärte uns dann darüber auf, dass Lübeck und das alte Tallinn, früher Reval genannt, miteinander wettstreiten, wer die leckere Mandelspeise zuerst entwickelte. Beide Hansestädte sind damit irgendwie miteinander verbunden und im Grunde ist es ja auch egal wer es war, Hauptsache es war jemand, denn sonst müsste man es glatt noch erfinden.
Vom Rathausplatz kann man auch direkt in den Katharinengang einbiegen, der mehr als alle anderen Gassen, das Mittelalter wiederspiegelt. Hier kann man vielen Handwerkern bei der Arbeit zu schauen, so wie es auch das seit Jahrhunderten der Fall ist. Zahlreiche mittelalterliche Köstlichkeiten werden an Ständen feilgeboten und die Verkäufer haben es sich nicht nehmen lassen, in passenden Kostümen aufzutreten. Super schön, wenn man so ein Mittelalter-Fan ist, wie ich es gerne bin.
Unser Weg führte uns dann auch schon wieder aufs Schiff zurück, denn im Gegensatz zu meine Eltern, musste ich wieder die Hospitaltür pünktlich aufschließen.
ST. PETERSBURG
Von Tallinn dampften wir weiter nach St. Petersburg, was quasi ums Eck gelegen ist. Das ließ sich ja auch durch die vielen russischen Überbleibsel in Tallinn schon vermuten.
In St. Petersburg ist es nicht so einfach mal eben von Bord zu gehen und sich an Land um zuschauen. Es herrschen strikte Vorschriften, die es einzuhalten gilt, sonst muss die Zeit an Bord verbracht werden.
Für Gäste, die sich selbstständig auf Erkundungstour durch die Stadt begeben wollen, müssen im Vorfeld schon ein Visum für Russland im Gepäck haben. Alle anderen haben nur die Chance an Land zu kommen, wenn sie sich für einen geführten Ausflug entscheiden, der an Bord gebucht werden kann.
Für uns Crew gilt das Gleiche, es sei denn man ist in Besitz eines Seefahrtsbuches, wie z.Bsp. die Krankenschwestern und auch alle Offiziere. Das ermöglicht es einem mit einer zusätzlichen Landing-Card, die wir vom Schiff erhalten, problemlos in das Land einzureisen.
Wir blieben über Nacht im Hafen liegen und hatten zwei komplette Tage, um die Reize der Stadt auf uns wirken zu lassen. Meine Eltern entschieden sich für zwei Ausflüge, wovon einer am Abend ein bisschen Freizeit auf eigene Faust in der Stadt beinhaltete. Mit meiner Kollegin und zwei starken männlichen Begleitern, wagte auch ich mich am frühen Abend von Bord. Der Plan bestand darin einen ersten Eindruck von Land und Leuten zu erhaschen und vielleicht meine Eltern zu treffen und noch was trinken zu gehen. So hatten wir es uns zumindest gedacht.
Da es irgendwie keine Busverbindung gibt, oder wir zumindest keinen Hinweis auf öffentliche Verkehrsmittel finden konnten, nutzen wir die Alternative Taxi, die natürlich auch gleichzeitig am Bequemsten ist. Direkt im Hafenterminal, zwischen etlichen Souveniershops mit Tausenden von diesen Holzfiguren, die man ineinander verschwinden lassen kann, gibt es einen kleinen Stand, an dem sogar Taxi dransteht. Die Leute, die dort standen waren recht unaufdringlich, aber nach Ansprache dann doch so nett uns eins zu rufen.
Mmmh, irgendwie wirkte das ein bisschen abweisend, wie auch schon die Dame an der Passkontrolle, die jedes Seefahrtsbuch + Landing Card und Bordkarte dreimal begutachtet hat und dann mit einem kritischen Blick ihren Stempel ins Buch drückte.
Die Fahrt im Taxi gestaltete sich imposant und erschreckend zugleich. Kaum aus dem Hafengelände draußen, fährt man an riesigen, überdimensionierten Wohnblöcken vorbei, die sich eins ans andere reihen und sehr unheimlich wirken. Wir konnten von den Fenstern des Autos aus kaum den Himmel erblicken. Wer weiß wie viele zehntausende Menschen hier leben müssen oder es vielleicht auch als ganz normal ansehen.
Kurz danach fuhren wir an der Newa entlang, die mit zahlreichen Kanälen die ganze Stadt durchzieht und an deren Ufern wir die ersten Sehenswürdigkeiten erblickten. Eigentlich braucht man gar nicht mehr den Mund zu machen, denn es folgt ein Prunkbauwerk dem nächsten und fast hinter jeden Kurve konnten wir eine weitere in der Abendsonne glänzende Goldkuppel entdecken.
So zum Beispiel die ersten Ecken der Eremitage. Nachdem Louvre in Paris wohl das beeindruckenste Bauwerk, welches mit einer noch viel imposanteren Kunstsammlung aufwartet. Da hat Katharina die Große sich wirklich ins Zeug gelegt, um die mehr als 1000 Räume mit Gemälden aller Art auszustatten.
Da wir zufälligerweise mitten im Berufsverkehr landeten, beendeten wir die Fahrt noch vor Überquerung einer Brücke, die in die Stadtmitte führte und begannen schon hier unseren Fußmarsch durch die Stadt.
Die Isaakskathedrale war unser erstes Ziel, nachdem sie uns mit ihrer gigantischen Goldkuppel schon vom Taxi her aufgefallen war. Auch aus der Nähe betrachtet, wirkt sie sehr majestätisch, mit ihren meterdicken Säulen, an denen man bei genauer Hinsicht noch Einschusslöcher aus dem 2. Weltkrieg erkennen soll. Das Innere der Kirche werde ich morgen noch zu Gesicht bekommen, denn dort habe ich mich als Hilfssout auf dem Ausflug verdingt, den meine Eltern ebenfalls begleiten werden.
Die Isaakskathedrale ist die größte Kirche Russlands und wurde Mitte des neunzehnten Jahrhunderts fertiggestellt. Überhaupt ist St. Petersburg eine sehr junge Stadt, die doch tatsächlich erst im 17.Jahrhundert auf einer Art Zeichenblock kunstvoll kreiert wurde. Faszinierend oder?
Umso pompöser kommt das Stadtbild rüber. Alle Häuser gleichen kleinen Palästen, selbst bei den kleinsten Bauten spürt man den Reichtum, den die Stadt während ihrer Entstehung genossen hat.
Nachdem wir die Kirche von außen einmal umrundet hatten, spazierten wir an den Kanälen entlang weiter zum Newskij Prospekt, dem uneingeschränkten Lebensmittelpunkt der Stadt, wie uns berichtet wurde. Als wir die Straße lang flanierten, entdeckten wir zwischen den Häuserdächern viele kleine Türmchen mit bunten und ineinander verschlungenen Kuppeln, die in der Sonne glänzten. Den Beschreibungen nach zu urteilen konnte es sich nur um die Erlöserkirche oder auch Blutskirche handeln, die wir uns unbedingt aus der Nähe anschauen mussten. Sie wurde an der Stelle erbaut, an der das tödliche Attentat an Zar Alexander II verübt wurde.
Zurück führte uns eine freigewählte Route durch einen Park, der sicher auch eine bedeutungsvolle Geschichte hat. Gerade wieder auf dem Newskij-Prospekt angekommen liefen uns auch schon meine Eltern vor die Füße. Wie die Zeit doch wieder vergangen war. Natürlich hatten sie versucht mich über Handy zu erreichen, aber wie so oft hatte ich wieder mal nicht auf mein Handy geachtet. Naja, das Schicksal meinte es wohl gut mit uns.
Glücklicherweise kamen wir nämlich direkt an der Stelle wieder auf den Newskij.Prospekt, an der das älteste Kaufhaus St. Petersburgs seinen Platz hatte. Dieses hatten wir ursprünglich als Treffpunkt gewählt, da meine Eltern in der Nähe abgesetzt wurden und es sich doch recht einfach finden lassen sollte.
Zusammen wollten wir also los, vielleicht noch ein Café finden, denn viel Zeit zum Sightsseeing blieb uns nicht, da meine Eltern bald wieder am Treffpunkt sein mussten. Als Erstes wollten wir mal ins Kaufhaus reinschauen, denn normalerweise gibt es ja in jedem Kaufhaus irgendwo eine Möglichkeit zu Pause. Hier sollten wir aber eines Besseren belehrt werden. Einen großen Haupteingang konnten wir nicht ausmachen und so kamen wir durch eine der vermeintlichen Seitentüren ins Innere des Gebäudes. Hier standen wir dann einigen Souvenierläden gegenüber, die allesamt das Gleiche verkauften, nämlich allerlei Porzellan in bunten Farben, bestickte Deckchen und natürlich die Holzfiguren in allen Arten und Formen. Rechts rum kamen wir zu einer Treppe, die uns in einen Flur führte, dem man nach links oder rechts folgen konnte. Seitlich kamen dann immer wieder kleine Geschäfte, die verschiedene Angebote hatten, aber irgendwie nichts was uns angesprochen hätte. Alles in allem wirkten die Leute sehr sehr konservativ und taten sich mit einem Lächeln schwer, weshalb hier vielleicht auch so gar nichts los war. Insgesamt ist dieses Kaufhaus wohl riesengroß, verläuft über mehrere Etagen und Ecken und gleicht von außen natürlich auch wieder einem Palast.
Wir hatten vorerst genug gesehen und setzten unsere Suche nach einem Kaffee oder etwas ähnlichen zum trinken draußen fort. Einige Straßen und Ecken durchforsteten wir, aber ihr werdet es nicht glauben, wir fanden kein Café. Entweder haben wir es tatsächlich übersehen oder waren schlichtweg in einer falschen Ecke der Stadt gelandet, aber bis zu dem Zeitpunkt, als meine Eltern wider los mussten, waren wir nicht erfolgreich. In einer Bar, die von außen recht nett aussah, kamen wir nicht an den Türstehern vorbei, die sich hinter der Tür versteckten und die nächste sah von außen schon zwielichtig aus. Eine Mission impossible wie uns schien.
Nachdem meine Eltern wieder auf dem Rückweg zum Schiff waren, haben wir es tatsächlich doch noch geschafft eine Bar zu finden und dort einen schönen Abend zu verbringen. Das russische Bier schmeckt auch net schlecht, wenn ich das noch kurz anmerken darf.
Am nächsten Tag hatte ich dann die Ehre, als Hilfsscoutine vor die Gäste zu treten und so die Issakskathedrale von innen und eine kleine Bootstour durch die Kanäle der Stadt zu genießen. Meine Eltern waren auch dabei, wobei wir uns zwischen drin immer mal wieder aus den Augen verloren. Einfach zu viele Leute. Alles in allem war es ganz interessant, wobei ich sagen muss, dass in der Isaakskathedrale nur noch wenig an eine Kirche erinnert. Eher an ein Museum für Kunst, weshalb es mich nicht so richtig überzeugen konnte. Überall waren Gemälde von verschiedenen Künstlern aufgebaut und viele Reisegruppen standen in Grüppchen davor und lauschten mehr oder weniger gespannt den Ausführungen der Reiseführer. Im Innenraum selbst stehen keine Stühle oder Bänke, wie man es kennt und der Altar ist gut versteckt und abgetrennt vom Tourismus in einem Seitenraum untergebracht. Von den Säulen und Decken glitzert und glänzt überall das Gold, alles ist äußerst prunkvoll und sehr pompös eingerichtet. Nicht zu vergleichen mit einer halbwegs gleichwertigen deutschen Kathedrale oder Gotteshaus. Das Beste aber war, dass man nicht fotografieren oder filmen durfte, wenn man nicht vorher dafür eine gewisse Gebühr zusätzlich zum Eintritt entrichtet hatte. Was soll man denn davon halten?
Die Bootstour war aber wieder sehr entspannend und wir lernten viele Brücken kennen und fuhren ebenfalls an unzähligen Palästen vorbei.
Ich persönlich bin nicht so recht ein Fan der Stadt geworden, auch wenn sämtliche Gebäude sehr imposant und sicher einmalig waren. Doch der Weg dahin führt vorbei an vielen Kontrollen und prüfenden Blicken und irgendwie fehlt da noch dieses Gefühl des Willkommen-Seins. Wenn ihr wisst, was ich meine.
HELSINKI
Für uns ging es weiter nach Helsinki in Finnland. Das Schiff macht etwas außerhalb der Stadt fest, d.h. zu Fuß wäre man eine Weile unterwegs, würde man sich dazu entschließen. Unmöglich ist das aber nicht. Die zweite Möglichkeit besteht darin, einfach in einem von den Hop on – hop off Bussen Platz zu nehmen und damit die Stadtrundfahrt gleich mit zu erledigen. Eine dritte Variante bildet das Taxi und für die ganz sparsamen gibt es einen öffentlichen Bus, der regelmäßig um die Ecke des Terminals hält.
Mit meinen Eltern zusammen entschied ich mich fürs Taxi, mit dem wir direkt zum Marktplatz fahren konnten. Der Taxifahrer gab uns noch den Tipp, wo wir die Haupteinkaufsstraßen finden konnten und so waren wir doch bestens vorbereitet, das Städtchen zu erobern.
Auf dem Marktplatz ging es schon voll zur Sache und von Fisch bis Postkarten konnte man hier wirklich alles erstehen. Die älteste Markthalle Finnlands schloss sich direkt an, und wie wir hörten, gibt es dort wohl einige Spezialitäten zu kaufen.
Einen schönen Blick hat man vom Marktplatz aus auf die jeweils erhöht gelegene Uspenski-Kathedrale und den Dom von Helsinki. Die Kathedrale ist eine russisch-orthodoxe Kirche aus rotem Backstein und zieht mit ihren 13 vergoldeten Zwiebeltürmen wahrlich alle Blicke auf sich.
Da wir aber genug dieser Kirchen in letzter Zeit gesehen hatten, genügte uns der Anblick von außen und wir spazierten weiter zum Dom, zu dessen Füßen sich der Senatsplatz ausbreitet. Heute war hier wohl ein ganz besonderer Tag, der irgendwas mit dem National-Museum zu haben musste, denn viele verkleidete Menschen aus verschiedenen Epochen versammelten sich nach und nach auf dem Platz. Dazu wurde eine Bühne aufgebaut und ein paar Oldtimer fanden auch ihren Weg hierhin. Das konnte ja noch lustig werden.
Zum Dom führt eine riesige Freitreppe hinauf und von oben hat man natürlich auch einen schönen Ausblick auf den Senatsplatz mit den angrenzenden Regierungsgebäuden und dem bunten Treiben der Kostümierten.
Nach einem stärkenden Kaffee machten wir uns wieder auf den Weg um noch ein wenig durch die Straßen zu bummeln. Trotz der Tatsache, dass es Sonntag war, hatten einige Läden offen und ein bisschen Shopping wäre durchaus drin gewesen.
Viele Einkaufsstraßen liegen hier wohl auch unteriridisch, doch leider blieb mir nicht so viel Zeit um weitere Erkundigen einzuholen. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.
Stockholm
Bei unserem nächsten Stopp, Stockholm, ist schon die Anfahrt ein wahres Vergnügen. Die Fahrt durch die Scheren ist zweifelsohne, manchmal genauso spannend wie es die Emsüberführung war.
Wir lagen über Nacht im Hafen, d.h. nach meinem Dienst konnte ich den Abend nutzen um ein bisschen die Altstadt zu erkunden und ein nettes Restaurant für ein kleines Abendessen suchen. Mit im Gepäck hatte ich meine Eltern und auch mein Freund konnte sich für ein paar Stunden aus dem Maschinenraum loseisen.
Unsere Anlegestelle lag etwas weiter von der Stadt entfernt, doch ideal um einen kleinen Spaziergang durch die Hafengegend zu machen. Vorbei ging es an den Fähranlegern und einigen älteren Booten, die teils zum Restaurant umfunktioniert worden sind.
Irgendwie doch schneller als erwartet steht man unvermittelt mitten in der Altstadt von Stockholm. Viele kleine Gässchen und schnuckelige Restaurants laden zum Verweilen und Beobachten ein. Neben einer großen Anzahl von Souvenirläden, locken auch ein paar kleine Geschäfte mit traditionellen Leckereien und süßem Gepäck. Ich hätte die Schweden gar nicht als so ein „süßes“ Volk eingeschätzt. Zum Glück war es schon späterer Abend und die Geschäfte größtenteils geschlossen, ich hätte für nichts garantieren können, außer, dass ich vor Erreichen des Restaurants schon satt gewesen wäre.
Nach viel Schlenderei, ne ganz schön große Stadt, kann ich euch sagen, landeten wir irgendwann spontan in einem „Irish Pub“. Ist jetzt vielleicht nicht ganz landestypisch, aber neben dem bekannten Guiness, hätte man auch Koetbullar (oder so ähnlich) essen können. Wir entschieden uns dreimal für leckere Burger und einmal für „Fish and Chips“.
Schade, dass der Abend so schnell vorbei war und wir schon wieder am nächsten Morgen um 7 Uhr abgelegt haben. Nach meinem ersten Eindruck, der wirklich total positiv verlief, möchte ich auf jeden Fall nochmal hierher zurück!
Danzig
Heute hatte ich wieder Dienst im Bordhospital und ließ meine Eltern alleine die Stadt erkunden. Irgendjemand muss ja mal arbeiten, ich bin ja nicht auf Urlaub.
Dafür ließ ich mir das Ablegen auf dem Balkon der Kabine meiner Eltern nicht entgehen.
Kopenhagen
Eine meiner Lieblingsdestinationen auf der nordeuropäischen Route. Ich glaube, ich habe auch schon mal von hier geschrieben.
Das erste mal, als wir hier angelegt haben (vor zwei Jahren oder so), war die kleine Meerjungfrau gerade auf Auslandsreise zur Weltausstellung in China. Jetzt vor einigen Wochen, habe auch ich sie endlich im Original gesehen und war seitdem immer mal wieder dort. Einfach schön zum Spazieren gehen und abschalten.
Heute habe ich wieder meine Eltern geschnappt und natürlich meinen Liebsten und zusammen haben wir eine kleine Kanaltour gemacht. Ganz abenteuerlich war das drunter herfahren unter den zahlreichen Brücken Kopenhagens. Die Boote sind schon sehr flach gehalten und recht breit und trotzdem muss man auf seinen Kopf acht geben und am Besten die Fahrt über sitzen bleiben.
Nach einer einstündigen Tour durch die Kanäle wurden wir an der wohl bekanntesten Flaniermeile „Nyhafn“ wieder freigelassen. Wir genehmigten uns noch ein kleines Mittagessen, bevor die arbeitende Bevölkerung wieder zurück an Bord musste.
Ja, das waren meine letzten 10 Tage als Schiffskrankenschwester an Bord eines AIDA-Schiffes.
Man soll niemals „NIE“ sagen, aber diese Entscheidung fühlt sich richtig an und ich kann nur sagen:
ES WAR EINE WAHNSINNIG TOLLE UND UNVERGESSLICHE ZEIT!
Eure Ex-Nurse Sarah
Die Bilder werden auf jeden Fall nachgereicht, denn mein Internetzugang wird erst diese Woche eingerichtet….
